I bims 1 Wissemschaftler vong Sprache her – Mehr zum Sprachphänomen Vong

Wer sich in den vergangenen Jahren vermehrt in den sozialen Netzwerken unseres World Wide Webs herumgetrieben hat, wird unweigerlich auch das ein oder andere Mal über das Sprachphänomen „Vong“ gestolpert sein. Vong entstand als Parodie auf typische Rechtschreib- und Grammatikfehler, die oft bei informellen Texten auftreten. Das wohl charakteristischste Phänomen ist die Phrase „I bims“ (eine bewusst falschgeschriebene Form des „Ich bin’s“). Sie wurde sogar vom Langenscheidt-Verlag zum Jugendwort des Jahres 2017 gewählt.

Je nach Nutzerverhalten hat sich Vong mittlerweile zu einem täglichen Begleiter entwickelt, der immer mal wieder über die Facebook-Timeline huscht oder in den Kommentaren seine Verwendung findet. Einige werden vermutlich einfach weiterscrollen – im Internet finden sich schließlich viele kuriose Dinge –, andere aber werden sich vielleicht fragen, was das Ganze eigentlich soll.

Unabhängig davon, ob man Vong nun lustig findet, belächelt oder als eine Grausamkeit gegenüber der deutschen Sprache ansieht, so kommt man nicht umhin zuzugeben, dass es längst die Barriere zwischen der virtuellen und der realen Welt überschritten hat.

Sucht man in einem der marktführenden Onlineshoppingportalen nach „I bims“, so findet man Merchandise-Artikel im Überfluss; angefangen bei Tassen, T-Shirts und Taschen über Schnaps und PlayStation- Controlleraufklebern bis hin zur eigenen Bibelübersetzung (die Holyge Bimbel). Es gibt nichts, was es nicht gibt!

Auch Unternehmen wie Vodafone und die Sparkasse haben schon versucht, aus dem Internetphänomen Profit zu schlagen. Werbeslogans wie „Gönn Dir ist einfach. Wenn man 1 gute Bank hat vong Vorsorge her.“ und „DER MOMENT WENN DEIN DATENVOLUMEN VONG VORMONAT HER NOCH DA IST“, sollten besonders Schüler und Studierende ansprechen. Sie wurden daher vor allem im Umfeld der Bildungsstätten angebracht. Ihre Wirkung bezüglich der Zielgruppe verfehlten sie zwar, erhielten dennoch große mediale Aufmerksamkeit – größtenteils spöttische Kritik, aber Aufmerksamkeit ist immer noch Aufmerksamkeit.

Die Entstehung des Vongs wird immer wieder auf den österreichischen Rapper Money Boy und auf die Facebookseite „Nachdenkliche Sprüche mit Bildern“ zurückgeführt. Willy Nachdenklich, der Gründer der Seite, hatte sie als Reaktion auf die klischeehaften Sinnsprüche gegründet, die in Internet und bei der Whats-App-Kommunikation immer wieder gepostet werden und bei denen Rechtschreib- und Grammatikfehler so charakteristisch sind wie die Sonnenuntergänge, Rosen und Kerzen, die die Sprüche begleiteten. Auf der Seite karikiert der nachdenkliche Betreiber durch eine übertriebene Abweichung von der deutschen Standardsprache (manch einer mag Verunglimpfung passender finden) die mangelhaften Rechtschreib- und Grammatikkenntnisse der Internetcommunity. In letzter Konsequenz ist die Vong-Sprache also einer kreativen Sprachkritik entsprungen, die sich verselbständigt hat.

Durch die wachsende Popularität der Vong-Sprache und die vielfache Nutzung durch verschiedene Akteure hat sich Vong ausgebreitet. Neben der Facebookseite „Vong“, die täglich neuen Variationen in Vong-Sprache postet und mit über 700 000 Likes eine große Reichweite innerhalb des Netzwerkes hat, bietet auch das Wörterbuch „VONG: Was ist das für 1 Sprache?“, die reale Materialisierung des Phänomens, einen guten Einblick in die Systematik.

So wird neben der oft gebrauchten Phrase „I bims“ auch das namensgebende Wort „Vong“ (dt. von) in der festen Kombination als „vong…her“ immer wieder gebraucht. Also beispielsweise: „I bims 1 Wissemschaftler vong Sprache her“. Das Verb sein, von dem sich das „I bims“ ableitet, wird auch in anderen Formen regelmäßig konjugiert und wird so zu „Du bimst“ oder zu „Er isd“/„Er bimst“. Pluralformen werden nur sehr selten gebraucht.

Ebenfalls zwingend ist die Verwendung der Ziffer „1“ anstelle von „ein“. Die wird auch gebraucht, wenn „ein“ innerhalb eines Wortes vorkommt. So wird beispielsweise aus dem Deutschen „kein Ding!“ ein „k1 Ding!“.

Neben diesen obligatorisch bindenden Regeln treten die anderen Eigenarten der Vong-Sprache zwar regelhaft auf, sind jedoch nicht zwingend. So kann man unter anderem die klangähnlichen Buchstaben n und m gegeneinander austauschen. Auch die Buchstaben t und d werden, vor allem am Wortende, durch den jeweils anderen ersetzt, so dass aus „Luft“ ganz schnell „Lufd“ werden kann. Und „Hallo“ wird zur vong’schen Begrüßung „Halo“, da auch Doppelkonsonanten oft auf einen einzelnen reduziert werden. Ebenso häufig wird an dem langen ie gespart und stattdessen nur der einfache Vokal verwendet.

„Wiso?“ ist nun die Frage, die man sich stellen kann, wenn man die verschiedenen Eigenarten betrachtet. Warum haben sich also genau diese Schreibweisen etabliert? Denn die Urheber haben sich diese Schreibweisen ja nicht einfach ausgedacht, sie haben die Vorlagen im Netz genutzt und überspitzt dargestellt. Warum zeigen sich aber, besonders im Internet, immer wieder so regelhafte Fehler?

Hier kommen verschiedene Dinge zusammen. Ein Grund für die schriftsprachlichen Veränderungen ist sicherlich die weit verbreitete Unsicherheit in Hinblick auf Rechtschreibung und grammatische Formen. So sind sich viele von uns oft unschlüssig, ob man nun von „dem gelbem Auto“ oder „dem gelben Auto“ sprechen müsste. Der Kasus muss und darf hier allerdings nur einziges Mal angezeigt werden. Von dem „gelbem Auto“ können wir uns also geflissentlich verabschieden.

Wenn wir im Hinblick auf die Rechtschreibung unsicher sind, schreiben viele von uns nach Gehör (so wie es teilweise auch in Grundschulen gelehrt wird). Allerdings hört man meist im Deutschen nicht, ob ein Wort am Wortende mit einem d oder einem t geschrieben werden muss. Auch die Unterscheidung von v und f fällt uns oft schwer. Hinzu kommt, dass wir im Alltag auch schnell und unbewusst Wörter verändern; einfach aus dem Grund, dass sie sich dann leichter artikulieren lassen. Je nach dem, was vorher oder nachher schon an Lauten in einem Wort oder auch in einem benachbarten Wort vorhanden ist, werden andere Laute getilgt [Ampl], verändert [Semf] oder sogar hinzugefügt [Mentsch], um diese so leichter aussprechen zu können. Schreibt man dann, wie man spricht, wird „von daher“ schnell zu „vong daher“, ohne dass es uns explizit auffällt. Auch die typische umgangssprachliche Vereinfachung bei der Aussprache von Wörtern spiegelt sich also in Vong wieder.

Die Kurzformen wie „I“ in „I bims“ kann man allerdings auch auf Sprech- und/oder Schreibökonomie zurückführen, da man in vielen sozialen Netzwerken meist nur einen begrenzte Zeichenanzahl für einen Post hat und ein „I“ deutlich weniger Sprechaufwand bedeutet als ein „Ich“.

Vong zeichnet sich also keineswegs durch den zufälligen falschen Gebrauch der deutschen Sprache aus, sondern folgt einer gewissen Systematik. Was man nun von dem Phänomen an sich hält, bleibt jedem selbst überlassen – die ursprüngliche Idee dahinter, die Sprachkritik, ist aber etwas, was schnell außer Sichtweite geraten kann.

Autorin: Lea Hamann

Januar 31, 2019

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